Sandro Brotz

Sandro Brotz ist stv. Chefredaktor der Zeitung «Sonntag».

Krieg der Bünzli und Schwaben

Die Nachricht: Die deutsche Regierung will Fachkräfte und Wissenschafter wieder in die Heimat zurückholen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle bereitet es Sorgen, dass geistiges Know-how und Managementfähigkeiten in die Schweiz abwandern.

Der Kommentar: Die Hassliebe zwischen Schweizern und Deutschen erreicht mit dem Datenklau eine neue Eskalationsstufe.

SVP-Dauergrinser Toni Brunner verliert sein Markenzeichen im Gesicht und spricht in ernstem Ton von einer «Kriegserklärung» Deutschlands. Fehlt nur noch, dass Ueli Maurer die dereinst beste Armee der Welt schon mal präventiv an die Grenze stellt und die Kanonenrohre gegen Norden richten lässt. Von Basel bis Berlin befassen sich Talkshows, Podien und Kommentatoren mit vermeintlichen Bünzli und vermeintlichen Sauschwaben.

«Deutschen-Bashing wird salonfähig in der Schweiz», notiert die «Financial Times Deutschland» besorgt. Da macht es sich gut, wenn Wirtschaftsminister Rainer Brüderle schon mal sicherheitshalber ein Rückführungsprogramm für seine Landsleute anleiert.

Brüderles Projekt könnte sich zur Win-win-Situation entwickeln: Deutschland erhält seine bestens qualifizierten Fachkräfte – durch Schweizer Entwicklungshilfe noch weiter fit getrimmt – wieder zurück. Im Gegenzug würden sich dumpfe, nationalistisch gefärbte Gemüter in der Schweiz («Die nehmen uns die Jobs und die Wohnungen weg», «Deutsche Studenten sollen höhere Studiengebühren bezahlen») vielleicht ein wenig beruhigen.

Im Sinne der Merzschen Deeskalationsstrategie könnte weiter auf Deutsche im Land verwiesen werden, die uns stolz machen: von Schumacher über Reif bis Hitzfeld. Wir könnten deutsche Produkte loben: von Bier über Adidas bis zum «Tatort». Zu einfach, klar, denn eines ist in deutschen und schweizerischen Landen immer: Wahlkampf.

Doch um sich einer deutschen Redewendung zu behelfen: Jetzt mal halblang! Zugegeben: Wir mögen es nicht, wenn man mit viel Geld an viele Daten kommt, die wiederum viel Geld in die deutsche Staatskasse schwemmen sollen. Aber die Hellebarde darf getrost im Keller und der Schäferhund an der Leine bleiben.

Übrigens: Ich mag die Deutschen.

Samstag, 06. Februar 2010 22:40
1 Kommentar
Ruth Suter, 5400 Baden
08.02.10 11:51

UBS zahlt 2,9 Mio Franken Boni
Weshalb zahlt die UBS Boni aus, wenn sie Riesenverluste ausweist? Ich glaube kaum, dass alle Banker kündigen würden, wenn sie wegen Geldmangel keine Boni mehr erhalten. So viele neue Stellen auf dem Bankensektor werden wohl kaum geschaffen. Es kann jeder froh sein, wenn er noch Arbeit hat! Offenbar hat bei div. Banken noch kein Umdenken stattgefunden.

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